Die US-Marke Tesla hat die deutschen Premiumhersteller provoziert, jetzt reagiert auch Porsche – mit der viertürigen Limousine Taycan, die mit einer Spitzenleistung von 680 PS (Turbo) bzw. 761 PS (Turbo S) auftritt. Der Taycan trifft auf das schon einigermaßen betagte Model S, dessen Maximalleistung von Tesla auf der Webseite nicht angegeben wird; verschiedene Quellen gehen von 422 PS für die Einstiegsversion mit dem schönen Namen “Maximale Reichweite” aus, während die “Performance”-Variante bis zu 611 PS leisten soll.

Aber es gibt auch noch eine Alternative: Den Porsche Panamera, den es nicht nur mit Fließheck, sondern auch als Kombivariante namens Sport Turismo gibt. Den extrem sparsamen und leistungsfähigen V8-Diesel hat Porsche zwar aus dem Programm genommen, doch es gibt eine Reihe von Sechs- und Achtzylindermotoren, darunter einen V6-Plug-In-Hybrid mit 462 PS und einen V8-Plug-In-Hybrid mit 680 PS. Diese Varianten schlagen eine Brücke zur Elektromobilität.

GTspirit ist alle drei Baureihen mit verschiedenen Motoren gefahren; hier ist unser Ranking in jeweils fünf Doppelkategorien. Kann der Taycan den Tesla in die Schranken weisen – und wie schlägt sich der konventionellere Panamera?

Signifikanz/Innovation

Der Porsche Panamera war die erste Luxuslimousine mit Sportwagenqualitäten, der Taycan beweist, daß man sich in Deutschland auch darauf versteht, hervorragende Elektroautos zu bauen. Doch ohne Tesla hätte es ihn vermutlich gar nicht gegeben: Keine andere Marke hat das Premium-Segment so aufgemischt wie die Marke des Exzentrikers Elon Musk. Das gilt auch für Technologien wie den “Autopiloten”, die Tesla in den Markt gedrückt hat, bisweilen auf Kosten der Sicherheit.

Mit dem Model S gab es auf einmal eine Alternative für grün bewegte Kunden, die sich nicht als rollende Verzichtserklärung präsentierte. Sogar die deutsche Politik stimmt zu, etwa Bundeswirtschaftsminister Altmeier, der Tesla als “sexy” bezeichnet, oder die bayerische Grüne Katharina Schulze, die im Tesla auf Wahlkampftour ging. Das hat noch kein anderes Auto geschafft.

Vorteil: Tesla Model S

Design/Fahrspaß

Das Design des Tesla Model S war eine schwere Geburt: Zuerst wurde Henrik Fisker beauftragt, anschließend verklagt, und schließlich entstand eine relativ konventionelle, aber zeitlose Form; eine Mischung aus Mazda und Maserati, die erstaunlich gut gealtert ist. Der erste Porsche Panamera wiederum war eine stilistische Provokation, die aktuelle Generation ist viel eleganter ausgefallen – und es gibt mit dem Sport Turismo auch eine Kombiversion. Der Taycan ist ein extremes Statement der Sportlichkeit und Aggressivität: Tief duckt sich der Fahrzeugkörper, die vorderen Kotflügel sind muskulös ausgeformt, Seite und Heck zitieren den 911: Es gibt keine schönere Limousine dieser Größenordnung.

Und auch in Sachen Fahrspaß läßt sich der Taycan nichts vormachen: Er beschleunigt blitzartig, läßt sich mit ungeheurer Präzision durch die Kurven zirkeln – und bis auf 260 km/h treiben. Übrigens ist die Ausdifferenzierung zwischen Turbo und Turbo S schwach: Optisch nahezu identisch, bietet der Turbo S keine Vmax-Differenzierung – und das Leistungsplus ist ausschließlich im Launch-Control-Modus erfahrbar, den mancher Betrachter prinzipiell als Gimmick interpretiert.

Brutalen Antritt liefert der Tesla zwar auch, aber nicht sehr oft: Bei hoher Belastung gehen Batterie und Motoren erstaunlich rasch in die Knie. Einmal heiß geworden, läßt sich die Hitze offenbar kaum abführen. Der Panamera wiederum beschleunigt – vor allem in den Spitzenversionen Turbo und Turbo S E-Hybrid – mit ungeheurer Wucht, und er durchmißt ungerührt die 300-km/h-Marke. Selbst der sechszylindrige E-Hybrid schafft 278 km/h.

Hinzu kommt die praxistaugliche Reichweite: Mit einem Panamera kann man endlos Autobahnen und Pässe unter die Räder nehmen – und überall nachtanken. Mit einer profanen Zapfsäule kommen bei Tesla und Taycan auch die Schnelladesäulen nicht mit, schon gar nicht die häusliche Steckdose. Doch seine ungeheure Agilität, im Zusammenspiel mit dem sensationellen Design, führt zum…

Vorteil: Porsche Taycan

Komfort/Praktikabilität

Kaum zu glauben, wieviel Platz im Panamera steckt: Das Auto eignet sich selbst in der Kurzversion zur Chauffeurslimousine, der Fond besitzt S-Klasse-Format. Umgeben von edlen Materialien und elektronischen Helferlein werden lange Distanzen für Fahrer und Mitfahrer zur reinen Entspannung. Der Gepäckraum ist über eine große Heckklappe zugänglich und variabel.

Da kann der Tesla nicht mithalten: Zwar bietet er vorn und hinten reichlich Platz, die Material- und Verarbeitungsqualität ist der Fahrzeugklasse jedoch unwürdig. Das Ambiente ist geradezu frugal, der große Zentralbildschirm – einst vielbewunderter Gag – ist schlecht zu bedienen, wenn er nicht mal wieder abgestürzt ist.

Ganz anders der Taycan: Er wartet stilistisch auch im Interieur mit einer sehr attraktiven Kombination von Klassik und Futurismus auf, die Qualität liegt auf höchstem Niveau. Doch die vielgepriesenen Packagevorteile des Elektroantriebs wurden hier nicht realisiert. Hinten geht es überraschend eng zu, der eher bescheiden dimensionierte Kofferraum ist nur durch eine kleine Ladeluke erreichbar. Obwohl der Taycan kaum kürzer und nur wenig flacher als ein Panamera ist, geht die Kategorie mit großem Abstand an den konventionell angetriebenen Bruder, dem es gelingt, neben V8-Längsmotor und Getriebetunnel auch noch vier Insassen höchst komfortabel unterzubringen.

Vorteil: Porsche Panamera

Sicherheit/Umwelt

Glaubensfrage E-Mobilität: Während die Politik den CO2-Ausstoß kühn mit null ansetzt, spricht sich zunehmend herum, daß die Umweltbelastung durch Elektroautos die Bilanz klassisch angetriebener Fahrzeuge eher übertrifft – insbesondere dann, wenn man die hochproblematische Herstellung und Entsorgung der viele hundert Kilogramm schweren Akkumulatoren berücksichtigt. Wir tendieren zu einer elektroskeptischen Betrachtung; wer will, kann überdies auch in den Hybrid-Varianten des Panamera elektrisch fahren, wenn auch nur auf kürzeren Strecken und im unteren und mittleren Geschwindigkeitsbereich.

Das Thema Sicherheit bespielt Porsche sehr eindrucksvoll, sowohl aktiv als auch passiv. Tesla schneidet bei den Crashtests ebenfalls sehr gut ab, doch es gibt Probleme: Der “Autopilot” verleitet dazu, die Kontrolle in riskanter Weise abzugeben und neigt zu Phantombremsungen. Zudem ist eine überraschend hohe Zahl von Tesla-Modellen nicht nur bei Unfällen, sondern auch beim Laden in Flammen ausgebrochen. Diese teils verheerenden Brände lassen sich weitaus schwieriger löschen als bei konventionell angetriebenen Fahrzeugen. Elon Musk geht mit seinen Autos ins Risiko – ein Risiko, das sich in erheblichem Umfang realisiert hat.

Vorteil: Porsche Panamera

Preis/Leistung

Billig ist keines der drei Modelle, am härtesten langt Porsche beim Taycan zu: Die Preisliste beginnt bei 152 136 Euro für den (turbinenlosen) Turbo, der in der Praxis fast ununterscheidbare Turbo S kostet sogar 185 486 Euro. Erst 2020 sollen günstigere Varianten nachgereicht werden.

Dann dürfte der Taycan dort beginnen, wo auch der günstigste Panamera verortet ist, nämlich bei knapp unter 100 000 Euro. Es geht los bei 97 753 Euro, der Panamera E-Hybrid mit V6-Motor kostet 113 223 Euro, den Panamera Turbo S E-Hybrid lässt sich Porsche mit 190 335 Euro bezahlen. Wenn es auch ohne E-Motoren geht, so raten wir zum Panamera GTS, der viel leichter ist, mit leicht gedrosselter Turbo-Maschine pure V8-Faszination verströmt und mit 140 474 Euro zu Buche schlägt.

Der Tesla Model S wiederum ist mit einer Spanne von 86 800 bis 102 700 Euro scheinbar günstig eingepreist: Die Marke hat vor einem Dreivierteljahr die Preise um mehrere zigtausend Euro gesenkt, um die ins Bodenlose gestürzte Nachfrage wiederzubeleben. Doch gravierende Qualitäts- und Servicemängel lassen den nachlässig verarbeiteten Amerikaner als zweifelhafte Investition erscheinen.

Vorteil: Porsche Panamera

Porsche Panamera Turbo S E-Hybrid

Unser Fazit

Dreimal liegt der Porsche Panamera vorn, jeweils einmal der Taycan und der Tesla. Das bedeutet jedoch nicht, dass Taycan und Model S als gleichwertig zu betrachten sind. Die Abstriche beim Taycan sind weitgehend dem grandiosen Design geschuldet, und das Preis-Leistungs-Verhältnis wird sich mit den kommenden Einstiegsmodellen erheblich verbessern. Wer mehr Platz braucht, wird zudem bald mit einem kommenden Crossover namens Cross Turismo bedient, das dann auch über eine große Heckklappe verfügen wird.

Der Tesla hingegen wartet mit so gravierenden Mängeln auf, daß man einen Kauf guten Gewissens nicht empfehlen kann. Grünes “virtue signaling”, das zeigen die Elektroautos der deutschen Premium-Hersteller, läßt sich inzwischen mit geringerem Risiko betreiben.


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