Es waren drei Ziffern und ein Buchstabe, die 1988 das automobile Oberhaus aufmischten: 750i. BMW hatte es gewagt, einen Ingenieurstraum umzusetzen – und einen unvergleichlich seidigen Zwölfzylinder geschaffen, um das Programm der 7er-Reihe zu krönen. Der Erfolg sprengte alle Erwartungen; zeitweise entfielen bis zu 20% der Verkäufe auf das neue Spitzenmodell. Mercedes-Benz und Audi mussten hastig nachzuziehen.

Von derartigen Verkaufszahlen können Zwöfzylinder-Modelle seit langem nur noch träumen: Heute erreichen bereits Vier- und Sechszylinder die Leistungsdaten des bajuwarischen Ur-Zwölfzylinders. Auf einen V12 wollen die Münchner dennoch nicht verzichten, und deshalb wird jetzt auch die aktuelle 7er-Reihe um diese Variante ergänzt. Sie hört auf die sperrige Bezeichnung BMW M760Li xDrive, und die ist sogar noch leicht untertrieben: Der 448 kW/610 PS starke V12-Motor verfügt über stolze 6,6 Liter Hubraum.

Das “M” in der Modellbezeichnung weist darauf hin, dass es sich beim BMW M760 Li xDrive um ein M-Performance-Modell handelt – ein Fahrzeug also, an das die M GmbH im oberbayerischen Garching noch einmal gründlich Hand angelegt hat. Und das spiegelt sich in den Fahrleistungen wider: Der Spurt von 0 auf 100 km/h dauert nur 3,7 Sekunden, und die bei 250 km/h abgeregelte Höchstgeschwindigkeit lässt sich optional auf 305 km/h anheben. Wir gehen davon aus, dass ein komplett offener 760er theoretisch die 340-km/h-Marke überschreiten könnte.

Um diese Leistung auf die Straße zu bringen, hat BMW das Fahrwerk des 7er noch einmal überarbeitet, und Fahrdynamiksysteme wie die aktive Wankstabilisierung und die Hinterradlenkung gehören hier zur Serienausstattung. Der obligatorische Allradantrieb ist heckbetont ausgelegt, und für optimalen Bodenkontakt sorgen Michelin-Pilot-Supersport-Pneus der Dimension 245/40 R20 vorn und 275/35 R20 hinten. Das Resultat ist eine Oberklasse-Limousine, die auf kurvigen Straßen – jedenfalls dann, wenn der Fahrmodus “Sport” gewählt wurde – geradezu magisch zu schrumpfen scheint: Sie folgt exakt den Befehlen des Fahrers, das Heck drängt leicht kontrollierbar nach außen. “Wir wollten, dass sich das Auto auch mit dem Gaspedal steuern lässt”, grinst ein Entwickler.

Natürlich kann der BMW M760 Li xDrive auch anders: Im “Comfort”- oder “Adaptiv”-Modus reduziert sich der sportliche Motorsound auf ein Nuscheln, Straßenunebenheiten werden zuverlässig weggefedert. Sportliche Ambitionen treten dann weitgehend in den Hintergrund. Für die Kraftübertragung sorgt die bewährte, blitzschnell agierende ZF-8HP-Automatik.

Die zwei Persönlichkeiten dieses 7er lassen sich nicht nur per Fahrmodus-Schalter auswählen, sondern sie lassen sich auch optisch fixieren. Es gibt nämlich einerseits die sportlich ausgeprägte Basisvariante mit M-Aerodynamikpaket und 20-Zoll-M-Felgen mit Doppelspeiche. Besonders überzeugend wirkt dieser stilistische Ansatz in Verbindung mit der dunkelgrauen Matt-Lackierung; sie verleiht dem Zwölfzylinder eine etwas bedrohliche Aura.

Die sanfte Alternative

Die Alternative zu diesem aggressiven Auftritt hört auf die Bezeichnung V12 Excellence. In dieser Variante, die zum gleichen Preis angeboten wird, sind Front und Heck mit üppigen Zierelementen aus Chrom beladen, und das Auto steht auf hochglanzpolierten Rädern im 15-Speichen-W-Design. Wir finden diese Variante, die vor allem auf die asiatischen Märkte zielt, durchaus reizvoll, doch sie bringt zwei Einschränkungen mit sich: Der tief grollende Sportauspuff ist hier nicht zu bekommen, und wegen des Verzichts auf Aerodynamik-Elemente ist grundsätzlich bei 250 km/h Schluss: Hier gibt es Driver’s Package mit Vmax-Anhebung auf 305 km/h.

Egal, welcher Variante der Vorzug gegeben wird: Das Interieur zeichnet sich durch ausgesprochene Opulenz aus. Vorne wie hinten ist reichlich Platz auf bequemen Fauteuils, und das Auto ist perfekt durchgestylt – bis hin zur beleuchteten “Nautilus-Spirale” in den Hochtönern der sensationellen Bowers&Wilkins-Stereoanlage, die nochmals 4450 Euro Aufpreis kostet.

Wenig überzeugend finden wir im übrigen die Gestensteuerung, ein Gimmick mit hohem Ablenkungspotential, und die teilautonomen Fahrfunktionen sind noch weit davon entfernt, den Fahrer zuverlässig zu entlasten. Beim Cockpit ist BMW zu wünschen, dass die Marke demnächst einen ähnlichen Designsprung vollzieht wie Audi und Mercedes-Benz.

Gegenüber den Konkurrenzmodellen dieser Marken muss sich der Spitzen-7er ansonsten keinesfalls verstecken: Mit seiner Kombination aus superstarkem V12, anspruchsvollen Komfort-Features und perfekt abgestimmtem Allrad-Fahrwerk ist er das modernste Auto seiner Klasse. Für 170 100 Euro steht er in der Preisliste.


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QuelleBMW
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