Genf 2019: So spannend wie heuer war es selten, trotz einiger fehlender Massenhersteller. Teil 2 unserer photographischen Eindrücke vom schönsten Autosalon der Welt.

Irgendein Spaßvogel bei Volkswagen hat etwas von “VW-Buggies” gehört, doch ob er verstanden hat, worum es sich dabei handelt? Jedenfalls kam ein grünes Gummiboot heraus.

Der Meyers-Manx Buggy war ein extrem leicht wirkendes Spaßgefährt auf verkürztem VW-Käfer-Fahrgestell mit viel offener Mechanik. Doch das ist bei diesem Projekt irgendwiw untergegangen – es wirkt nicht leicht und vermittelt stilistisch eigentlich auch keinen Fahrspaß. Vielleicht sollte man so ein Auto doch besser von Designern in Kalifornien machen lassen.

Dafür gab es etwas freundlich-lustiges aus dem Hause Daimler zu sehen, nämlich bei Smart. Elektrisch natürlich, mit hübschen Rundungen und einem gelben Häubchen. Der Sommer kann kommen.

Bei Citroën ging der gleiche Ansatz leider schwer daneben. Da gibt es offenbar welche, die versuchen, uns die Elektrifizierung mit dem Charme von Abfallcontainern zu verkaufen. Setzen, sechs!

Noch einmal Elektro. Und das mit dem Namen Piëch! Das präsentierte Fahrgestell erinnert mit seinem Vierkantrohrrahmen und seiner Schlichtheit an die agrarisch anmutenden Vierkantrohrfahrgestelle von Monteverdi – in den 70ern. Allerdings jetzt ohne Chrysler-V8 und nur mit Batteriemodulen. Das Design ist handwerklich schön umgesetzt, aber klassische Stilmerkmale von 911 bis E-Type ergeben keine zukunftweisende Gestaltung. Bei einer Kit-Marke wie Ginetta hätte man sich über eine solche Arbeit gefreut, aber in Anbetracht von Carbontechnik und dem Ingenieursgeist, den der Name Piëch verheißt, ist das Ergebnis einigermaßen enttäuschend.

Nach dem Verkauf von Ital Design an VW und dem Ausscheiden seines Gründers Giorgetto Giugiaro scheint sich langsam wieder eine bessere und tragfähigere Formensprache zu etablieren – unter dem ehemaligen Lamborghini-Chefdesigner Filippo Perini. Das gezeigte Showcar ist in Proportionen und Gestalt sauber gearbeitet, wirkt aber letztlich doch irgendwie nur wie der nächste Ford Mondeo Vignale. Flügeltüren über beide Sitzreihen taugen nur für Concept Cars, schon beim Übergang vom Lamborghini Marzal bis zum Serienauto Espada haben sie sich als serienuntauglich erwiesen. Und das war vor einem halben Jahrhundert. Dennoch: Bei Ital Design geht es aufwärts.

Altmeister Giorgetto Guigaro kann es dennoch nicht lassen – und geht mit GFG erneut als Designer an den Start. Ob das eine gute Idee ist? Hier wird die bekannte Klobigkeit des letzten Jahrzehnts wiederaufbereitet. Modellbautechnisch einwandfrei, aber im Design eher gewölbtem Papier nicht unähnlich. Wer Design-Meilensteine wie den Alfa Romeo Canguro (noch bei Bertone), den Maserati Ghibli und De Tomaso Mangusta (bei Ghia) oder auch Maserati Boomerang und Lotus Esprit entworfen hat, sollte sich einen solchen Abgang ersparen.

Mit dem Namen Sbarro verbinden sich zuweilen gemischte Gefühle. Als großer Unternehmer, traditionell in Genf immer vertreten, zeigt er meist eher skurrile Entwürfe. Selten ist ein großer Wurf dabei, wie etwa 2006 der Alfa Romeo Diva. Nun gibt es wieder einen zu sehen.

Der “Renner” ist ganz offensichtlich an den Porsche 904 angelehnt, ohne ihn offen zu erwähnen. Als Retro-Design empfinden wir das nicht, sondern eher als gelungene moderne Interpretation mit breiten Kotflügeln, prägnant-aktueller Frontpartie und einem modern nachempfundenen Heck. Unter der Haube sitzt ein Vierzylinder-Boxer von Subaru. Man sollte das Auto in Kleinserie bauen!

Brabham ist wieder da – mit einem attraktiven Mittelmotorsportwagen für Rennen und Straße. Es hält bereits den Streckenrekord auf der Bergrennstrecke im englischen Goodwood.

Sportwagen gab es zuhauf, gerne elektrisch. Wie zum Beispiel den etwas grobschlächtigen Arcfox-GT. Einige Perspektiven sind immerhin interessant. Walter de’Silva hat seinen Namen zur Verfügung gestellt; gezeichnet hat er die Arcfox-Modelle nicht.

Hispano-Suiza mit einem neuen Anlauf: Die Namensrechte an der längst verblichenen verleiten dazu, es wieder einmal zu versuchen. Das gepfeilte Heck des Carmen ist recht originell gestaltet, mit dem Logo innerhalb der runden Rückleuchten.

Bemerkenswert ist das schlichte, aber hochwertige Interior des Hispano-Suiza mit edel anmutendem Material- und Farbmix.

Ein sehr lustiges, aber gut gemachtes Elektrofahrzeug namens Nobe 100 GT kommt aus Estland. Das Dreirad ist bewußt an klassischen Designelementen ausgerichtet – auch innen. Es wird als Motorrad zugelassen, und das ermöglicht ein Gewicht von nur rund 600 Kilogramm bei bis zu 100 PS und drei angetriebenen Rädern. Mit einer Reichweite von 260 Kilometern handelt es sich um ein hübsches Stadtgefährt. In der Ledertasche steckt eine Zusatzbatterie, die man zum Beispiel im Büro aufladen kann; sie hat die Funktion einer Reservebatterie für 50 Kilometer. Schon über 10 Fahrzeuge sind verkauft.

Bei Ruf kann man scheinbar originale 911er nagelneu kaufen. Ein perfekt restauriertes Modell auf klassischer Basis? Der Schein trügt…

In Wirklichkeit steckt darunter eine Kohlefaser-Fahrgastzelle mit Hilfsrahmen, Doppel-Dreieckslenkern und vier Schraubenfedern. Das ist der ultimative High-Tech im 911 – mit dem Antlitz eines Originalfahrzeugs. Genial!

Besonders schöne Replikas gab es auch. RCH aus Griechenland präsentiert hochwertig gemachte 356 und 550, die sehr nahe ans Original angelehnt sind, aber auf Wunsch größere 4-Zylinder-Boxermotoren und Scheibenbremsen erlauben. Wer sorgenfreien Fahrspaß sucht, ist heutzutage mit einer Replika bestens aufgehoben.

Ein ganz großes Highlight ist die Abarth-Sonderausstellung in Genf. Am ersten Pressetag war Rennfahrer-Ikone Arturo Merzario zugegen, der viele dieser Fahrzeuge im Wettbewerb gefahren ist – und gerne so manche Anekdote zum Besten gab. Auf italienisch, versteht sich…

Wer noch nicht genug hatte, konnte sich an einem irrwitzigen Lamborghini-Traktor als Hot Rod erfreuen. Ein Original steht im Hintergrund, beim vorderen Modell hat der Schöpfer der Phantasie freien Lauf gelassen. Genauso soll es in Genf sein!


NEWSLETTER ABONNIEREN

Unser Newsletter liefert täglich die neuesten Artikel und die spannendsten Geschichten direkt in Ihr E-Mail-Postfach. Geben Sie uns einfach Ihre E-Mail-Adresse und los geht Ihr kostenloses Newsletter-Abonnement.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here