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Leiser Bolide: Wie der 849 Testarossa die Berliner Innenstadt elektrisiert

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Der 1050 PS starke Ferrari 849 Testarossa rollt kaum hörbar an. Kein V8-Grollen, kein Turbopfeifen, nur ein leises elektrisches Surren, als der italienische Supersportwagen aus der Parklücke auf dem Berliner Kurfürstendamm gleitet. Der Grund: Wir haben den eDrive-Modus gewählt, in dem wir am unteren Lenkrad das blaue „e“ gedrückt haben. So ist der aktuelle Testarossa ein fast geräuschloser Begleiter. Zwischen Charlottenburg und Grunewald reiht er sich trotz seiner spektakulären Form akustisch unauffällig zwischen Bentley Bentayga und Elektro-Kleinwagen ein, ohne zu stören. Wobei die Sonderaußenfarbe, Giallo Triplo Strato, schon etwas provokant ist.

Im Stadtverkehr funktioniert der 849 damit ausgesprochen gut. Die Reaktion aufs Fahrpedal ist unmittelbar, aber nicht nervös, die Lenkung präzise und weniger spitz, als man es bei einem Supersportwagen dieser Leistungsklasse erwarten könnte. Selbst das Kopfsteinpflaster in den Seitenstraßen Richtung Grunewald bringt das Fahrwerk nicht aus der Ruhe. Natürlich bleibt der 849 ein flacher, breiter Supersportwagen. Aber er verlangt im Berliner Alltag deutlich weniger Aufmerksamkeit von seinem Fahrer als erwartet.

Technisch entwickelt Ferrari das Konzept des SF90 Stradale weiter. Hinter den Sitzen arbeitet ein vier Liter großer V8-Biturbo, unterstützt von drei Elektromotoren: zwei an der Vorderachse und eine weitere E-Maschine im hinteren Antriebsstrang. Die Systemleistung beträgt 1050 PS. Die drei Elektromotoren sind zusammen mit 220 PS angegeben; im rein elektrischen eDrive stehen maximal 163 PS zur Verfügung. Eine 7,5-kWh-Batterie ermöglicht bis zu 25 Kilometer elektrisches Fahren.

Diese Reichweite klingt nach wenig, würde aber problemlos für unsere Berliner Stadtrunde reichen. Vor allem verändert der E-Antrieb den Charakter des Autos. Reifen- und Abrollgeräusche treten plötzlich stärker in den Vordergrund, während der Antrieb selbst kaum zu hören ist. Und das Coupé schluckt Unebenheiten mit einer Ruhe, die man von einem Auto mit dieser unglaublichen Systemleistung nicht erwarten würde. Gerade bei niedrigen Geschwindigkeiten wirkt der 849 deshalb überraschend unspektakulär, jedenfalls solange man die auffällige Lackierung außer acht lässt.

Neben eDrive bietet das eManettino die Einstellungen Hybrid, Performance und Qualify. Spätestens dort zeigt sich, dass die elektrische Gelassenheit nur eine Seite des 849 ist. Mit zugeschaltetem V8 wird aus dem stillen Stadtwagen wieder ein Ferrari, dessen Leistungsdaten eigentlich auf eine Rennstrecke gehören.

Auf der Clayallee geben wir etwas mehr Strom. Der 849 beschleunigt kräftig, aber völlig mühelos. Für Berliner Verhältnisse braucht es nicht mehr. Interessanter als die schiere Beschleunigung ist hier, wie selbstverständlich sich das Auto bewegen lässt.

Natürlich kauft niemand einen 1050-PS-Ferrari, um 25 Kilometer elektrisch durch Charlottenburg und Grunewald zu fahren. Tatsächlich macht der V8 einen guten Teil seiner Faszination aus. Führt man den Gasfuß zum Bodenblech, wird Unglaubliches geboten: Von 0 auf 100 km/h in 2,3 Sekunden, von 0 auf 200 km/h in 6,4 Sekunden, Vmax 330 km/h. Umso erstaunlicher, wie zahm sich der 849 in der Stadt bewegen lässt. Der Fahrer muss sich nur zurückhalten. Wir jedenfalls haben nicht nur das Leistungspotential, sondern auch die Ruhe im Ferrari 849 genossen.

Fotos: Vivian J. Rheinheimer

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